Über Lehrer, Gurus, Ideologien und spirituelle Hierarchien…



Wenn Du an deiner eigenen Revolution teilnehmen willst,

darfst du genau beobachten, analysieren und demontieren.

Auch die Praktiken, die dir vielleicht am heiligsten und teuersten sind.

Dir selbst schwierige Fragen zu stellen und stellen zu lassen, ist Teil des Prozesses, der eigenen Wahrheit näher zu kommen.

Ja, wir lernen von und mit-einander.

Ich lerne von Menschen und ich lehre und begleite andere Menschen.

Und ich weiß, dass es in mir einen inneren Antrieb gibt,

der mein größtes Potenzial erkennen, mich heilen, transformieren und wachsen lassen möchte.

Im Idealfall holt mich der Mensch, den ich dazu wähle, dort ab, wo ich tatsächlich gerade stehe.

Und begleitet mich zu meinem nächsten Schritt, den er/sie in seinem Leben bereits selbst gegangen ist.

Ich lade dich hier, mit diesem Text ein, kritisch zu schauen, ob die Person oder das Konzept,

der du dein Vertrauen, dein Geld und deine Zeit schenkst,

selbst tatsächlich das lebt und bereits selbst gemeistert hat, was sie dich lehren möchte.

…Ein guter Lehrer und Begleiter verwendet seinen Status nicht als Mittel, um Kontrolle über Dich zu erlangen,

dich zu manipulieren oder zu benutzen – in keiner Weise.

Er hilft dir in die Eigenverantwortung und ins Selbstbewusstsein.

Und ja, jede Veränderung braucht Zeit, das ist so.

- doch prüfe für dich genau, ob du( vielleicht kleine) positive Veränderungen und Erkenntnisse wirklich in deinem Alltag findest

und lebst oder dich in Abhängigkeit zu einem Lehrer oder Konzept eigentlich selbst täuschst.

Warum schreibe ich das?

Immer mal kommen Menschen, die in Ashrams, Kommunen mit Lehrer, Yogi- und spirituellen Gemeinschaften lebten

oder gesucht haben, auch zu mir.

*Vor 2 Jahren hatte ich beispielsweise eine Klientin, die ihr gesamtes Erbe und alle ihr Einkünfte in einer spirituellen Gemeinschaft gelassen hat und sich nach der Zeit dort, genauso leer und einsam und perspektivlos fühlte wie zuvor.

*Oder eine Frau, die ihre Heilung in der Tantra-szene suchte und dort, unter der Ideologie „der dienenden und universellen Liebe“, den Grenzübertritt an Seele und am eigenen Körper ihrer Kindheit, lediglich reinszinierte, ohne es zu verstehen.

*Oder ein Klientin, aus hartem, stark-katholischen Elternhaus, die nun im spirituellen Bypassing - „die Lösung meiner Probleme liegt einzig im Alleins der großem Schöpfung und nur in unserem Herzen“- ihr Grundmuster ebenfalls reinsziniert und somit die wirkliche Bearbeitung ihrer Erfahrungen umgeht.

Das sind nur drei von vielen Beispielen und Geschichten.

Was steckt dahinter…die Duldung der Guru- Beziehung, der. Götter in Weiß, der Konzepte und Ideologien.

Die Guru-Beziehung ist sowohl in spirituellen Praktiken, als auch in unserem klassischen Gesundheitssystem heilig und wesentlich.

In dieser Hierarchie wird eine Person, ein Arzt, ein Guru, Meister oder wie auch immer wir sie nennen, auf ein Podest gestellt.

In dieser Art von Hierarchie wird angenommen, dass der Lehrer alles weiß und richtig liegt. Das gleiche gilt für die vermittelten Ideologien und Konzepte. Im Prinzip ist das eine Wiederholung der abhängigen Beziehung eines Kindes zu seinen Eltern.

Begibst du dich in eine solche Art der freiwilligen Unterwerfung und Aufgabe der eigenen Autonomie ist das sowohl schädlich,

als auch oft gefährlich.

Für mich persönlich zählt letztlich das reale Leben.

- hat dich das, was du lernst und konsumierst, in deinen KERNthemen wachsen lassen oder nicht?

Bist du emanzipierter, lebendiger, gesünder, mehr bei dir Selbst und deiner Integrität oder nicht?

Sind kritische Fragen willkommen?

Begegnet dir dein Begleiter auf Augenhöhe?

Fördert und pampert, jemand aus Eigeninteresse, deinen bequemen, vernebelten oder abhängigen Anteil?

Diese Fragen, die Gestalttherapie und einige zum Teil sehr kritische Leute in meinem Leben,

haben mich hier wirkliche Schritte nach vorn gebracht.

…Lehrer, Ärzte, Coaches, Heiler sind Menschen.

Konzepte und Ideologien sind was sie sind.

Sie auf ein Podest zu stellen führt früher oder später zur Enttäuschung.

- Manch einer hält aber lange an der Selbsttäuschung fest, um eben nicht ent-täuscht zu werden.

Denn Möglicherweise hängt das ganze Weltbild, alle Beziehungen, ein Großteil der eigenen Identität

oder das finanzielles Einkommen daran…

Wenn Du also an deiner eigenen Revolution teilnehmen willst,

darfst du genau beobachten, analysieren und demontieren.

Auch die Praktiken, die dir vielleicht am heiligsten und teuersten sind.

Dir selbst schwierige Fragen zu stellen und stellen zu lassen, ist Teil des Prozesses, der eigenen Wahrheit näher zu kommen.

Ich wünsche dir den tiefen Seufzer der Erleichterung, der aufsteigt, wenn du in der weichen Nähe von jemandem bist,

der sich selbst die Erlaubnis erteilt, einfach er oder sie selbst zu sein. Und der, auch dir genau das erlaubt.

Text: Heidi Schwarzkopf

Bild: Benjamin Henon