Das Mantra der „Nicht-Bewertung“


Warum du freier bist, wenn du nicht alles und jeden lieben musst…

Ein Leben ohne Urteil ist nicht nur nicht möglich, sondern auch nicht wünschenswert, nicht einmal menschlich.

Aus eigener Erfahrung und der Arbeit mit Gruppen und Klienten, von mittlerweile hunderten Menschen, kann ich sagen, dass es oft hilfreich ist über den Weg der Achtsamkeitspraxis, von Yoga oder Meditationspraktiken in das „sich zurückzulehnen“ einzutauchen. Also die eigene Wahrnehmung und die eigenen Gefühle wirklich offen zu erforschen.

Denn damit geht das eigene Annehmen einher, die meiner Meinung nach, essentielle Grundlage ins Selbstvertrauen und die Sebstermächtigung.

Oftmals wird in der spirituellen Szene oder auch am Markt der Persönlichkeitsentwicklung das „ohne Bewertung sein“ reflexartig verwendet und gepredigt. Doch so dogmatisch und unreflektiert benutzt, hat es durchaus den gegenteiligen Effekt.

Das Mantra der Nicht Ver- und Beurteilung hat einen Haken.

Denn es ist das Gegenteil von Selbstannahme und Selbstliebe, die eigenen beurteilen Gedanken zu verteufeln, überwinden oder abschaffen zu wollen.

Wir urteilen sowieso. In jedem Moment, in Millisekunden, das ist menschlich. Urteil ist keine Wahl. Unser Nervensystem ist darauf ausgelegt, zu urteilen, denn das ist lebenserhaltend und gesund.

Wenn wir eine andere Person sehen, urteilen wir automatisch.

Ist sie ein potenzieller Freund oder ein Feind? Tut dieser Mensch gut oder nicht? Es ist Teil unseres autonomen Nervensystems, zu beurteilen. Die damit verbundene Kampf-, Flucht-, Erstarrungsaktion ist eine Reaktion zu dem, was wir erkennen, oder aus Vorerfahrungen heraus, zu erkennen glauben.

Wie wäre es, wenn wir das erst einmal so wahrnehmen, zu lassen, ernst nehmen und erlauben würden?

Entscheidend ist letztlich die Fähigkeit, unser erstes Urteil und die eventuelle automatische Reaktion, im nächsten Schritt zu hinterfragen oder zu erweitern. Denn das ist dann letztlich die Weisheit,

die wir für einen gesunden Entwicklungsprozess brauchen können.

Doch das ist der zweite Schritt und kann nicht durch das Mantra der

„Nicht-Bewertung“ ersetzt werden.

Versuchst du das eigene Ver- und Beurteilung außer Kraft zu setzen, um immer in Mitgefühl, Freundlichkeit und vor allem Liebe mit allem und jedem zu sein?

Versuchst du, wenn dein Urteil zu etwas oder jemandem negativ ausfällt mit Gegenmittel der universellen, höheren Liebe darüber zu steigen?

Die Hoffnung jeden zu lieben ist erzwungene Naivität und entfernt uns von unserer vollen Integrität. Sie trennt uns letztlich von dem wofür wir stehen und wofür nicht.

Eine Gesellschaft von Menschen, die „nicht urteilen“ wollen oder gar können

ist eine Gesellschaft von Menschen, die leicht zu führen und zu benutzen sind.

Letztlich das Gegenteil von dem was ich mir wünsche.


Es ist also notwendig, ein gesundes Urteilsvermögen zu entwickeln.

Denn dieses ermöglicht es uns, notwendige Grenzen zu setzen und zu entscheiden was uns wirklich wirklich gut tut. Und nur dorthinein ist gesundes Wachstum möglich.


Das was wir am Alter schätzen ist die Weisheit, also klüger zu werden.

Wir schätzen, die Dinge des Lebens mit kritischen Denken und intakten Urteilsvermögen zu sortieren.

Ich lade dich ein, kritisch zu sein mit der Idee der Nicht-Beurteilung.

Denn sie täuscht Selbstbeherrschung lediglich vor.

Du bist freier und gesünder im Denken , Handeln und in deinen Entscheidungen, wenn du nicht immer das Beste von allen Menschen denken musst.